Warum Feuchtgebiete?


Verlorenes Wasser

Wasser war in letzter Zeit ein viel diskutiertes Thema. Kein Wunder! Extreme Regenfälle und große Überschwemmungen wirken sich auf die gesamte Gesellschaft aus. Vielen Landnutzern machen häufige Regenfälle und örtliche Überschwemmungen zu schaffen. Verheerende Dürren, wie im Jahr 2015 lösten eine starke Resonanz in der Bevölkerung, aber auch Politikern, aus. Ganz offen wird heute die Wasserknappheit diskutiert und Strategien werden ausgearbeitet, damit sie nicht noch mehr zu einer echten Bedrohung wird. Die Prognosen für die Zukunft sind nicht sehr optimistisch und zeigen einen Anstieg der durchschnittlichen Jahrestemperatur, einen Anstieg der Anzahl heißer und trockener Tage im Sommer, sowie eine höhere Häufigkeit extremer Starkregen.

Diese Probleme sind zum Teil auf den Klimawandel zurückzuführen. Im Böhmerwald ändert sich die Menge der Niederschlagswirkungen nicht grundlegend, ihr Charakter und ihre zeitliche Verteilung aber schon. Es regnet einfach „anders“, plötzlich und lokal und auch auf kleineren Gebieten. Insgesamt wird die Schneefallmenge reduziert und die Häufigkeit von Bodenverdichtungen im Frühling nimmt zu. Wasser von kurzfristig starken Regenfällen sickert weniger stark ein und läuft daher schnell ab. Das Grundwasser wird nicht in ausreichendem Maße aufgefüllt und die Oberflächengewässer leiden allmählich unter Wassermangel.

Ein begradigter und vertiefter Bach leitet das Wasser aus der Landschaft ab

Ein begradigter und vertiefter Bach leitet das Wasser aus der Landschaft ab

Die Veränderungen in Landschaft und Umwelt, die der Mensch verursacht hat, leisten einen großen Beitrag dazu. Es ist eine traurige Tatsache, dass die Landschaftsteile, die Wasserhaushalt und -kreislauf direkt prägen und beeinflussen, heute grundlegend gestört sind. Natürliche hydrologische Strukturen wie Wasserläufe, Auen, Quellgebiete und Feuchtgebiete sind heutzutage in Tschechien und Bayern zu einem großen Teil geschädigt oder sogar vollständig zerstört. Die umliegenden Gebiete werden vom Menschen verändert und verhindern oftmals die natürliche Wasserversickerung in den Boden. Dadurch verliert die Landschaft ihre Fähigkeit, Wasser auf natürliche Weise auszunehmen und zu speichern. Das Wasser, das früher den Menschen „im Wege stand“ und die Entwicklung moderner Landnutzungsformen verhinderte, fehlt heute dringend.

 

Wenn wir uns die Landschaft und die Bereiche ansehen, die für den Wasserhaushalt wichtig sind, dann sind die zusammenfassenden Zahlen eine Warnung. Von den ursprünglich 1,3 Mio. ha an Feuchtgebieten in Tschechien, die in den 1950er Jahren gemeldet wurden, sind heute nur noch 350 Tsd. ha übrig (Just et al. 2003). Somit sind 2/3 der Feuchtgebiete hier verschwunden. Dies ist im Wesentlichen auf die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion in den 1970er bis 1980er Jahren zurückzuführen, als die großflächige Entwässerung von Feuchtgebieten und die Glättung kleiner Bäche in großen Mengen durchgeführt wurde. Von einer Gesamtfläche von 4,3 Mio. ha Ackerland wurden eine Million Hektar (d.h. etwa ein 1/4) durch Rohrdrainage entwässert. Darüber hinaus wurden große Flächen an Mooren und Feuchtgebieten durch ein System von Oberflächenkanälen entwässert. Nur auf landwirtschaftlichen Flächen sind rund 7 Tsd. km offene Entwässerungsgräben registriert. Abflüsse aus Rohrdrainagen addieren sich zu weiteren 4 Tsd. Kilometern. Landwirtschaftliche Drainagesysteme machen insgesamt etwa 15% des beschleunigten Abflusses aus der Landschaft aus (Vopravil et al. 2010). Hinzu kommen die Flächen der oberflächennahen Waldfeuchtgebiete, die zwar riesig sind, jedoch liegen für das ganze Land keine zusammenfassenden Daten vor.

Entwässerungsgräben

Entwässerungsgräben

Grundsätzlich wurde die Gesamtlänge der Wasserläufe von ursprünglich 76.000 km durch regulatorische Anpassungen um ein Drittel reduziert (Simon et al. 2008). Mit einigen Ausnahmen wurden alle Hauptströme begradigt und angepasst. Ein beträchtlicher Teil der kleinen Wasserläufe (über 14 Tsd. km) wurde ebenfalls reguliert, die hauptsächlich auf landwirtschaftlich genutzten Flächen in gerade und tiefe Kanäle umgewandelt wurden und Teil des Drainagesystems wurden. Ähnliche Eingriffe in die Landschaft wurden so häufig vorgenommen, dass die meisten Menschen den aktuellen Zustand bereits als völlig normal ansehen und einen mäandrierenden Bach oder Fluss in ihrer Umgebung gar nicht mehr antreffen und sich diesen sogar nicht mehr vorstellen können. Der Verlust natürlicher Wasserläufe multipliziert sich mit der Auflösung ihrer Auen (Fluss- und Bachauen), die regelmäßig überschwemmt wurden und wo das Wasser weitgehend in den Boden einsickern konnte. Die Gesamtfläche der Flussauen in der Tschechischen Republik beträgt 3 791 km2 (5% der Fläche, Demek et al. 2011), aber ein großer Teil von ihnen ist derzeit vom Wasserlauf isoliert, entwässert und wird intensiv genutzt und in vielen Fällen sogar verbaut.

Auch in Deutschland wurden 95% der ursprünglichen Moorflächen vernichtet. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert begann die oft mühsame Moorkultivierung – teils mit groß angelegten staatlichen Förderprogrammen – um landwirtschaftliche Nutz- und Siedlungsflächen zu gewinnen. Die Folge ist ein massiver Eingriff in den Wasserhaushalt der Landschaft und immense Verluste an Lebensräumen sowie Artenvielfalt. Mehr zu Mooren, Feuchtgebieten und Gewässern in Bayern finden Sie hier: BUND


Die Bedeutung von Feuchtgebieten in der Landschaft

Die Bedeutung von Feuchtgebieten für den Wasserhaushalt und das gesunde Funktionieren der Landschaft wurde lange Zeit übersehen. Erst jetzt ist ihr wirklicher Wert und ihre Rolle für eine mögliche Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels erkennbar. Feuchtgebiete speichern langfristig Wasser, sie sind daher vor allem in der Trockenzeit wichtige Wasserreservoirs. Aufgrund starker Verdunstung beeinflussen sie die örtlichen klimatischen Bedingungen, senken die Lufttemperatur und erhöhen die relative Luftfeuchtigkeit. So kühlen Feuchtgebiete die Landschaft effektiv ab – an heißen Sommertagen können Temperaturunterschiede über bebauten oder trockenen Freiflächen in der Größenordnung von mehreren zehn Grad Celsius liegen. Feuchtgebiete unterstützen somit den lokalen Kreislauf von Wasser- und Verdunstungsniederschlägen ähnlich wie Waldbestände. Darüber hinaus liefern sie das notwendige Wasser für die Vegetation und der Tierwelt in ihrer Umgebung, was besonders in Dürrezeiten wichtig ist.

Andererseits spielen Feuchtgebiete eine geringere Rolle bei der Aufnahme extremer Niederschläge, da ihr Boden normalerweise schnell mit Wasser gesättigt ist und dann über die Oberfläche abfließt. Der Oberflächenabfluss wird jedoch insbesondere durch die Vegetation und das Mikrorelief beeinträchtigt. Feuchtgebiete halten Wasser aus gemäßigten Niederschlägen besser zurück. Die Ausnahme bilden Feuchtgebiete in Tälern und Auen, die auch bei starken Regenfällen große Mengen an Hochwasser aus Wasserläufen auffangen.

Warum ist es gut, Feuchtgebiete in die Landschaft zurückzuführen?

Die schrittweise Renaturierung und ökologische Aufwertung von Feuchtgebieten in der Landschaft ist eine wichtige Maßnahme, die das Wasser in der Landschaft hält und die Auswirkungen häufiger Trockenperioden im Zusammenhang mit dem Klimawandel erheblich mildern kann. Darüber hinaus ist die Wiederherstellung natürlicher Wasserläufe und insbesondere ihrer Überschwemmungszonen eine wichtige Maßnahme zur Kontrolle von Überschwemmungen, mit der große Wassermengen aus extremen Niederschlägen aufgefangen (zurückgehalten) werden können und deren Versickerung in den Boden gefördert wird. Die Renaturierung von Feuchtgebieten löst somit den Kern des Problems, d.h. die Wiederherstellung eines funktionierenden Wasserhaushalts, der Wasser in der Landschaft und in seinem Kreislauf hält, sodass es nicht allmählich verschwindet und Wasserressourcen nicht verloren gehen.

Quellen:

Jaromír Demek a kolektiv (2011): Změny ekosystémových služeb poříčních a údolních niv v České republice jako výsledek vývoje využívání země v posledních 250 letech VÚKOZ, Praha

Tomáš Just a kolektiv (2003): Revitalizace vodního prostředí – AOPK ČR, Praha

Jan Vopravil a kolektiv (2010): Půda a její hodnocení v ČR Výzkumný ústav meliorací a ochrany půdy, Praha

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